dream big – Pt. 2

Bill auf den schönen Straßen der Lofoten

Wir ließen den wunderschönen Skagsanden Strand hinter uns und fuhren zum Uttakleiv Beach – noch ein schöner Sandstrand auf den Lofoten.

Happy Strandfeeling
Zum Baden war es an dem Tag leider zu windig

Den Abend verbrachten wir in Henningsvaer – wir parkten am wohl berühmtesten Fußballplatz in ganz Norwegen:

Aus ca. 350m Höhe mit der Dji Mavic Air

Wir spazierten durch die Innenstadt wo zufällig ein Festival stattfand, da die Musik aber nicht unserem Geschmack entsprach (schräger Indie-Sound) entschieden wir uns lieber dazu den Abend bei einem schönen Sonnenuntergang am Fußballplatz ausklingen zu lassen:

Zum Reisen gehört es auch lokale Spezialitäten auszuprobieren.

Am nächsten Morgen besuchten wir die Hauptstadt der Lofoten, Svolvaer. Auf dem Weg dorthin gabelten wir einen Autostopper aus Tschechien auf der uns verriet wo Norweger ihren hochprozentigen Alkohol kaufen.

Gefunden! Wir fragten uns bereits seit wir in Norwegen angekommen sind ob es hier überhaupt harten Alkohol gibt.

In Norwegen kann man nur Bier zu gewissen Uhrzeiten im Laden kaufen. Wein und alles andere gibt es in „Schnapsläden“ die selten und gut versteckt sind. An die mitlesenden Eltern: Wir haben natürlich nichts gekauft – weil wir selber genug über die Grenze geschmuggelt haben 😀

Die Lofoten haben uns sehr begeistert – wir hatten durchgehend Sonnenschein und die vielen kleinen Inseln sind das perfekte Wanderparadies. Rund um Reinebringen und Hamnoy wurde es durch die vielen Touristen zwar ein bisschen eng, aber bei so viel landschaftlicher Schönheit haben wir im Juli damit gerechnet. Unser nächstes Ziel war die Insel Andoya, die zehntgrößte Insel Norwegens.

Maki geht’s prima.

Eigentlich planten wir „nur“ in Andoya entlang der Landschaftsroute zu fahren, doch Simon entdeckte zufällig ein Space Center das besichtigt werden konnte. Da es bei besagtem Space Center zu Umbauarbeiten im Besucherzentrum kam und das Museum nicht besichtigt werden konnte, hatte man die einmalige Chance die echten Räumlichkeiten zu besichtigen.

Diese nette Mitarbeiterin führte uns über das Areal.

Der erste Raketenstart fand 1962 statt. Seitdem wurden mehr als 1000 Höhenforschungsraketen gestartet. Hauptziel des Space Centers ist die Erforschung der Aurora Borealis Lichter und die Ausbildung von Raketenwissenschaftlern.

Hier eine der größten Raketenabschussrampen Europas (22t maximales Startgewicht)
Simon vor den Hydraulikstößeln des Rocket Launchers (zum ausrichten der Rakete).
Eine Nachbildung der ersten Rakete die gestartet wurde. Simon for scale. 9gag for life.

Danach gings für uns weiter an die Spitze der Insel. Dort freuten wir uns darauf eine Walsafari zu machen. Da der Andrang sehr groß war mussten wir einen Tag warten bis wir einen Platz auf einem der Boote bekamen.

Unser Boot kommt uns holen.

Die seit 30 Jahren bestehende ‚Walsafari Andenes‘ wirbt mit einer 100%igen Walgarantie (man darf nochmal gratis mitfahren oder Geld zurück falls kein Wal gesehen wird) und da wir für den Monat Juli deutlich unter unserem maximalen Budget lagen, gönnten wir uns eine kleine Spritztour aufs Meer. Zuerst bekamen wir eine Führung durch das Walmuseum und lernten eine Menge über die Ozeanbewohner. Danach ging es auf die MS Reine und hinaus Richtung Bleik Canyon. Ich hatte zur Sicherheit meinen dicksten Pullover angezogen, sowie meine wärmste Jacke (Snowboardjacke) und ein Stirnband dabei. Um 19:30 fuhren wir hinaus und es sollte ungefähr 1,5h dauern bis wir den Ort erreichen an dem Wale gesichtet werden können. Blöderweise war ich nach 10min bereits Seekrank. Noch blöder war das ich nicht daran dachte etwas gegen Übelkeit einzupacken. Aber das allerblödeste war das ich vor Abfahrt Gulasch gegessen hatte.

Es geht raus auf offene Meer.

Simon gings leider auch nicht so gut und wir verbrachten einen Großteil der Fahrt damit da zu sitzen und zu versuchen nicht zu brechen. Ungefähr 70% der Personen an Bord waren deutlich angeschlagen oder hielten sich bereits an der Reling fest und fütterten die Fische.

so gings leider fast allen.

Ich bin in meinem Leben wirklich schon öfter Boot / Schiff und Fähren gefahren und hatte noch nie vorher die geringste Übelkeit (genau wie Simon). Aber der Wellengang war einmalig, teilweise rutschten wir auf unserer Bank hin und her als wären wir auf einer gigantischen Wippe. Neben mir saß eine junge Frau die durchgehend in ihr Säckchen reierte – ich hätte ihr so gern geholfen, aber sobald ich den Horizont als Fixpunkt aus den Augen verlor drohte mir dasselbe Schicksal. Ich verfluchte mich das ich die Medikamente nicht dabei hatte – wobei ich an der Wirksamkeit in dieser Situation schon ein bisschen zweifelte.

Ich versuchte ein bisschen zu fotografieren – durch den Sucher schauen verschlimmerte aber meinen Zustand.

Ein Mitarbeiter versprach uns Besserung sobald wir uns nicht mehr über der Kontinentalplatte befinden würden, da durch die besondere Strömung die Wellen an dieser Stelle besonders hoch sind. Es war ein wirklich eindrucksvolles Erlebnis – dazusitzen und sich zu fragen warum man über 100€ dafür bezahlt hat VIELLEICHT ein Tier zu sehen, sich den Arsch abzufrieren und permanent nur zu hoffen sein Abendessen nicht dem Nachbar zeigen zu müssen.

Als wir am Hotspot ankamen versuchte der Kapitän über ein Unterwassermikrofon das Klicken eines Wals aufzuspüren (Zahnwale versenden permanent Schallwellen um Beute aufzuspüren, die dann als Klickgeräusche wahrgenommen werden können). Der Wellengang beruhigte sich ein wenig und wir standen da und starrten alle auf das offene Meer. Es war fast totenstill auf dem gesamten Boot – alle Blicke waren auf das Meer gerichtet, in der Hoffnung einen Wal zu entdecken. Der Kapitän verfolgte die Klick-Geräusche eines Pottwales und als er keine Geräusche mehr wahrnehmen konnte wusste er das der Wal seinen Beutezug beendet hatte und kurz davor war aufzutauchen um seinen Sauerstoffvorrat aufzufüllen.

Hatte leider nur 70mm zur Verfügung.

…und tatsächlich kam der Wal dann zehn Minuten später an die Oberfläche!! Die Freude am Boot war groß und es startete ein Feuer aus Klick-Geräuschen, alle Aufmerksamkeit und Linsen auf den Wal gerichtet.

Dieses Foto wird zu Hause eingerahmt – soviel Aufwand hab ich noch nie für ein Bild betrieben.

Wenn man sich Whale Watching vorstellt dann springen Wale wie Delfine aus dem Wasser über den Horizont, am besten mit der untergehenden Sonne im Hintergrund. Die Realität sieht dann doch ganz anders aus. Die Sonne war hinter einer dicken Schicht aus Wolken versteckt – ich war um meine 2.8er Blende heilfroh und der Wal war nur wenige Minuten an der Oberfläche um Luft zu holen. Man sah hauptsächlich seinen Rücken und das Wasser ein wenig spritzen. Als die Fluke aus dem Wasser kam wusste ich das der Wal gleich ganz abtauchen würde und ich hoffte nur das meine Kamera die 1500€ Wert war und drückte den Auslöser als würde mein Leben davon abhängen. Ok ganz so schlimm war’s dann doch nicht. Es ging sich tatsächlich aus das in den paar Millisekunden an denen die Fluke herausragte ein gutes Foto entstand. Ich weiß nicht was gewesen wäre wenn ich in dieser Nacht keinen Wal gesehen hätte – definitiv wäre ich nicht wieder auf dieses Boot gestiegen.

Glenn der Pottwal besucht seit 25 Jahren diesen Spot auf der Suche nach etwas Fressbarem.

Nach nicht mal fünf Minuten war der ganze Zauber vorbei und man erklärte uns in drei verschiedenen Sprachen das wir den Nach-Hause-Weg antraten, da es bereits spät war und ein starker Wind aufkam.

Zum Abschluss kam die Sonne nochmal kurz raus.

Ich war unheimlich stolz das ich noch nicht gekotzt hatte und wollte mich reinsetzen da es dort um einiges wärmer war als draußen. Simon meinte nur das dies keine gute Idee wäre, aber meine Füße waren komplett taub vor Kälte und meine Übelkeit auf der Kotz-Skala eine stabile 4. Wir gingen in eine kleine warme Kabine, da saß ein Mann der seine liegende Frau tröstete und ein zweiter Mann der nur über seinem Säckchen hing. Es gab nur zwei kleine Gucklöcher und wir saßen nicht mal eine Minute in der Kabine als mir extrem schlecht wurde. Ich musste raus an Deck um sofort den Horizont zu fixieren – aber es war zu spät – ich hing schon an der Reling und sagte dem Inzersdorfer Gulasch Adieu. Danach gings mir um einiges besser und ich fragte mich warum ich mir nicht schon vor zwei Stunden den Gefallen tat Ballast abzuwerfen. Simon war dann der nächste an der Reling und er hatte noch das Pech das genau in dem Moment eine große Welle in das Boot schwabte und seine Hose, Knie abwärts, inklusive Schuhe komplett nass wurden. Dann saßen wir noch eine weitere Stunde zitternd auf dem Boot und beteten das wir bald wieder festen Boden unter den Füßen bekommen würden. Es klingt jetzt vielleicht ziemlich dramatisch wie ich unsere erste und letzte Whale Watching Erfahrung beschreibe – aber es war so!! Natürlich hätten wir uns um einiges besser vorbereiten können – aber im Nachhinein ist man immer klüger. Sind wir jetzt auch.

Simon ganz Tapfer.

Alles in Allem war es eine EINMALIGE Erfahrung und das bisher Spannendste das wir gemacht haben. Wir haben einen Wal gesehen und viel über den Ozean und die Meeresbewohner gelernt. Ich würde es definitiv nochmal aber nicht wieder machen. Wenn ihr versteht was ich meine. Ich hab mein Wal Foto und das bekommt einen Ehrenplatz.

Zurück im Wohnmobil haben wir zum ersten mal Gebrauch von der Heizung gemacht – und einen Liter Tee getrunken.

Nach fünf Stunden auf dem Boot gibts Früchtetee mit einem Schuss Kytril.

Am nächsten Morgen hieß es erstmal Ausschlafen und dann ab auf die Fähre nach Senja:

Am Nachmittag entdeckten wir einen tollen alten Steg und ich hatte ein gutes Gefühl, vielleicht würde ich jetzt endlich auch mal einen Fisch fangen.

ja, hab meine Angel nicht ordentlich ausgefahren – Simon fragt sich auch immer wieso ich so bin.

Wir hatten super schönes Wetter und es tauchte dann ein kleiner Baby Wal auf, wir wissen nicht genau was es wirklich war. Vielleicht auch ein Baby Hai oder Baby Delfin, es holte einige male Luft und verschwand dann wieder. Ich sah das als gutes Zeichen das hier einige Fische sind. Und tatsächlich!! hatte ich meinen ersten Fisch an der Angel, wir konnten genau erkennen das es eine Makrele war. Ich versuchte sie aus dem Wasser rauszuziehen aber sie konnte sich von meinem Haken befreien und sprang zurück ins Meer. Ich war super enttäuscht und hoffte das sie so blöd war nochmal in meinen Köder zu beißen. Und keine fünf Minuten später hatte ich wieder eine Makrele am Hacken! War sicher dieselbe!! hahaaa

Mein erster selbst gefangener Fisch!!
41cm lang, Frauen messen auch gerne Sachen.

Wir haben nach meinem großen Fang beschlossen sie gleich zuzubereiten da wir schon hungrig waren, als beim Zusammenpacken der Angelruten plötzlich der Fjord anfing zu plätschern und mehrere Vögel wild umherflogen. Ein großer Makrelenschwarm schwamm direkt vor unserem Steg vorbei. Simon montierte nochmal schnell seinen Köder an der Angel und warf ihn direkt in den Schwarm. Tada nochmal ein Fisch. Dann versuchte ich mein Glück mit dem Ausnehmen.

Fisch ausnehmen für Dummies
Ein kleiner Krebs kam auch noch vorbei.
Ein Hoch auf meine Fischfang Künste!

Nach einem tollen Abendessen gings dann am nächsten Tag auf den Husfjellet. Einer der tollen Berge auf Senja.

Wir brauchten 1,5h bis wir am Gipfel waren und der Ausblick war wieder einmal unbeschreiblich schön!

Maki freut sich das wir uns mal wieder bewegen, die Anglerei langweilt ihn.
Richtig tolles Bergpanorama.

Am Gipfel dreht Simon eine Runde mit der Drohne – diesmal hat er den Akku dabei 😀

Auf dem Weg zurück geht die Sonne langsam unter und beschert uns wieder tolle Farben.

Wir beschließen an einem Strand Abend zu essen und beenden den Tag mit Pesto Nudeln und einem Glas Wein.

Tungeneset

Nach einem Tag entspannen startet unsere zweite Wanderung auf Senja. Es geht auf den Berg Hesten. Nach einer Stunde wandern sind die 556hm schnell erklommen.

Direkt vor uns ist der Berg Segla, der wohl berühmteste Berg auf der Insel Senja.

Da der Weg auf den Hesten am Schluss nur noch reine Kletterei ist treffen wir am Gipfel diesmal auf nicht so viele Leute.

Blick aufs offene Meer.

Wir machen uns jetzt auf den Weg Richtung Nordkapp – reine Fahrtzeit wären nur noch 10h! Adios Bitchachos

4 Antworten auf „dream big – Pt. 2

  1. Wer eine Reise tut kann was erleben. Wer Wale sehen möchte noch mehr! Wieder ein spannender und interessanter Bericht. Freue mich schon auf den nächsten!

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  2. Hallo ihr zwei Globetrotter,
    das sind ganz tolle Reiseberichte mit wunderbaren Fotos. Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß und freue mich auf weitere spannende Erzählungen.
    LG Otto Vögel

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