home among the trees

Kaum als wir die Grenze zu Finnland in Karigasniemi überquerten sahen wir direkt vor uns einen riesigen Elch über die Straße laufen. Diese verlief unspektakulär mit einigen auf und abs so vor sich hin. Wir freuten uns das wir in Finnland waren und fuhren bis kurz vor Inari und fanden dann einen wunderschönen Platz mitten im Wald an einem kleinen See. Es war weit und breit kein anderes Wohnmobil zu sehen, nur einige Rentier Spuren im Sand entlang der Lichtung.

Unser erster Übernachtungsplatz in Finnland
Maki genießt die vielen Vorteile von Skandinavien

Vor uns hatten wir die perfekte Grillstelle, da es aber die letzten zwei Tage viel geregnet hatte konnten wir leider kein Feuer machen. Da es doch einige Mücken gab entschieden wir uns für einen gemütlichen Abend im Wohnmobil mit Kartenspiel (ah Ciri und Fabian richtig geiles Geschenk!) und dafür super Ausblick auf den kleinen See.

Am nächsten Morgen gings dann nach Inari und wir besuchten das SIIDA-Museum und lernten eine Menge über die Kultur der Sami (indigenes Volk aus Nord-Skandinavien), deren Lebensweise, Tracht und Rentierwirtschaft. Wir dachten ja immer dass wir keine Museen Gänger sind, waren jetzt aber mittlerweile in ein paar und manche stellten sich tatsächlich als total spannend heraus, das SIIDA-Museum ist wirklich einen Besuch wert. In Inari liegt außerdem der zweitgrößte See (von 188.000), den wir später per Boot auskundschafteten. Ein kleines Touristen Boot fuhr uns für drei Stunden über den See an den vielen kleinen Inseln vorbei und an einer größeren durften wir dann aussteigen und selber ein bisschen erkunden gehen.

Wald-Sandstrände in Finnland
An dieser Insel legte unser Boot kurz an.
Simon freut sich haha

Dann gings schon weiter Richtung Pyhä-Luosto Nationalpark den ich komplett alleine durchwandern wollte (Nein, wir haben nicht gestritten, ich wollte einfach nur mal wissen wie es ist wenn man komplett auf sich allein gestellt ist). Wir kauften noch ein bisschen zum Essen ein und ich stellte mich zum ersten mal der Frage was ich alles einpacken muss um in der Wildnis mit Übernachtung klar zu kommen. Es waren insgesamt 50km und ich plante drei Tage und zwei Nächte ein, da bei meiner Internet Recherche ausdrücklich darauf hingewiesen wurde sich nicht zu viele Kilometer vorzunehmen da der Weg eher schwierig zu begehen sei. Ich hatte mein Ein-Frau-Zelt, Gaskocher, Schlafsack, Iso-Matte und 400g Hundefutter (ich nehme immer Zuviel mit) dabei.

Alles was man für das Outdoor (Über) – Leben braucht.

Die Nacht vorher konnte ich nicht wirklich entspannen weil ich doch ein wenig nervös war – ich habe das Experiment „3-Tage Trekking“ extra für Finnland geplant weil die Gegebenheiten um einiges einfacher sind als in Norwegen in den Bergen.

Einen Nationalpark komplett durchwandern – Alleine.

Simon ließ mich in der nähe der Hauptstraße raus und wir vereinbarten das ich mich alle 24h mindestens einmal melde. Und so startete ich meine Mission Loslaufen – Überleben:

Scho nach den ersten 30min komplett nass.

Der erste Streckenabschnitt verlief direkt durch den Wald einen schmalen Pfad entlang und da es die letzten Tage viel geregnet hatte war ich bereits nach den ersten paar Hundert Metern komplett nass. Meine Füße blieben dank super Wanderschuhe aber zum Glück trocken. Dann ging es immer mehr Bergauf und die moorige Landschaft wurde zu Geröll mit vereinzelten Bäumen.

Ich besitze nicht irgendwelche besonderen Geräte für die Orientierung (GPS-Gerät oder dergleichen) und ich hatte auch keine Karte. Eigentlich habe ich die Route ein bisschen belächelt das sie ziemlich einfach aussah. Mit einem Screenshot bewaffnet und einer PDF-Datei im Gepäck dachte ich, ich würde locker über die Runden kommen. Ist ja schließlich keine Bergwanderung, Finnland ist nämlich Flach wie der Busen der meisten Joggerinnen beim Frauenlauf. Als ich dann meine ersten 500 Höhenmeter überwinden musste, mit einem 12 Kilo Rucksack, verfluchte ich meine schlechte Vorbereitung. Maki sprang vor mir herum und versuchte die vielen Schneehühner aufzuschrecken – er hatte gut lachen! Wir sahen einen Schwan der so groß war wie ich selbst, einen Fasan im Baum sitzen und kamen schließlich zur ersten Schutzhütte.

Karge Finnische Landschaft

Nach den ersten 3,5h hatte ich gerade mal 11km geschafft, ich war verzweifelt. Der Weg war alles andere als einfach, ich brauchte ewig um voranzukommen. Es war nicht wirklich ein Weg, es war balancieren über Geröll! Plötzlich hatte ich Angst das ich zu wenig zum Essen dabei habe, falls ich mehr als drei Tage brauchen würde. Meine erste Pause machte ich auf dem kleinen 500 Meter hohen Hügel denn ich „erklomm“ und es wehte ein toller Wind der mir ein paar Mückenfreie Minuten bescherte. Nun saß ich da und aß nur eine Banane, weil ich mein Essen sparen wollte für den Ernstfall. Im Westen zogen schwarze dichte Wolken auf und bevor es weiterging stülpte ich schon mal prophylaktisch die Schutzhülle über meinen Rucksack.

Mehrere Stunden nur über Steine laufen – die erste Etappe war echt nervig.

Ich startete um 10:00 Uhr am Morgen und um 17:30 beschloss ich, dass es reichte. Ich hatte gerade mal 18km geschafft, aber es war mir egal. Ich fand eine Hütte mit trockenem Holz und Feuerstelle. Da der Nationalpark gut besucht wird (am ersten Tag traf ich aber niemanden) stellen die Finnen alle 8-10km eine kleine Hütte zum Pause machen oder Übernachten bereit.

Mein Platz fürs Abendessen.

Normalerweise macht Simon immer das Feuer und kocht für uns, an diesem Abend habe ich seit langem mal wieder ein Feuer selbst entfacht (ok es war mega einfach hatte ein Feuerzeug und Taschentuch haha) aber es fühlte sich trotzdem gut an. Nach dem Essen entschied ich mich noch 3km weiter zu laufen, da ich kein Wasser mehr hatte und hoffte irgendwo eine Quelle zu finden.

Es fing sehr stark an zu regnen und ich fand zwar einen See aber der war so dreckig das es nicht mal etwas gebracht hätte wenn ich das Wasser vor dem Trinken abgekocht hätte. Deshalb lief ich einfach weiter obwohl ich schon lange keine Lust mehr hatte. Zum Glück fand ich dann eine kleine Quelle mitten im Wald und ein Rentier stattete uns noch einen kurzen Besuch ab.

Endlich hatte ich ein Rentier Bild mit dem ich zufrieden war!

Ich lief weiter und als es massiv anfing zu schütten suchte ich bei leeren Ferien Apartments Unterschlupf und verbrachte dort auch die Nacht. Das Zelt haben wir erst in Norwegen gekauft deshalb habe ich es zum ersten Mal in dieser Nacht aufgebaut, war aber total easy. Die Nacht war dann richtig kalt und ich packte meine Sachen um 07:00 Uhr am Morgen bereits wieder zusammen. 21 Kilometer waren schon geschafft und mir fehlten nur noch 27km, die wollte ich noch am selben Tag laufen, weil es nur regnete und ich nicht noch eine Nacht im Zelt bei Regen verbringen wollte.

Der Trail war relativ unspektakulär und wenn man vorher die Landschaft in Norwegen gesehen hatte bzw. in Vorarlberg aufwuchs dann war es alles andere als spannend. Trotzdem genoss ich die Einsamkeit in den finnischen Wäldern! Wälder sind eine geheime Liebe von mir und deshalb war Finnland perfekt für mich:

Am Schluss kamen mir in Pyhä dann auch immer mehr Menschen entgegen und die Landschaft wurde um einiges schöner.

Simon gab mir nur die GPS-Koordinaten wo das Wohnmobil stand weil er vorher ja selber auch noch nicht wusste wo er am anderen Ende des Nationalparks parken konnte. Dank Google-Maps fand ich den Standort ziemlich schnell und war heilfroh endlich am Ziel angekommen zu sein.

48km / 2 Tage / 13h Gehzeit
Zurück in der Home Base

Simon hat in der Zwischenzeit das Wohnmobil zum Pickup-point manövriert, perfekt in einer Waldlichtung ausniveliert und mit dem Mountainbike einen See in der Nähe umrundet. Zur Belohnung gabs für uns beide dann eine heiß ersehnte Pizza in Rovaniemi:

Am nächsten Tag gings weiter Richtung Süden, auf dem Weg fuhren wir an einer Ortschaft vorbei mit dem Namen Simon!!!!

Nachdem wir fertig waren Fotos an jedem Schild zu machen, was mir sehr viel Spaß bereitete, fanden wir einen schönen Stellplatz am See. Weit und breit war niemand und die Straße war auch weiter weg. Maki ist bisher noch nie davongerannt und es ist auch kein Problem ihn frei laufen zu lassen da er nicht Jagd, deshalb kann er die Freiheit genießen die wir ihm gewähren – bis jetzt. Ich war im Wohnmobil am Video schneiden und Simon am See, als er plötzlich einfach verschwand. Es hat vielleicht ein paar Minuten gedauert bis wir es bemerkten. Ich ging sofort Richtung Wald und fing an ihn zu suchen und laut zu rufen. Währenddessen holte Simon die Fahrräder vom Wohnmobil runter damit wir ihn zügiger suchen konnten. Ich lief zur Straße rauf in der Hoffnung ihn noch irgendwo zu erwischen – weit und breit kein Maki. Mit dem Fahrrad fuhr ich bis zu einem Haus und fragte ob sie einen kleinen dummen Hund gesehen haben der neuerdings von seinen Haltern wegrennt, leider Fehlanzeige. Simon und ich teilten uns auf und jeder suchte in seinem Gebiet nach ihm. In meinem geistigen Auge spielte sich schon das Szenario ab wie Maki von einem Wolf gepackt wurde, weil er dachte er wäre ein Baby Schaf und ich nur noch ein paar Knochen finden würde. Als ich die Straße wieder runter fuhr blieb ein Auto plötzlich stehen und die Dame fragte total nett ob ich diejenige sei die auf der Suche nach einem Hund ist.

Sie erzählte mir das Maki an der Straße gefunden wurde und sie gerade auf dem Weg zum Tierarzt waren um ihn abzugeben. Glück im Unglück, so sieht ein verloren gegangener Hund nach seiner Heimkehr aus: Keine Reue

Jetzt gibts nur noch Leine, Karabiner und Hering.

Für uns gings dann weiter über Vaasa und Tampere nach Helsinki. In Helsinki fanden wir einen Parkplatz an einem Schwimmbad und weil die Temperaturen passten gingen wir am Nachmittag das erste Mal für diesen Sommer in ein Freibad. Am nächsten Tag fuhren wir mit den Fahrrädern in die Stadt und besuchten das HAM (Helsinki Art Museum).

Im HAM waren die Ausstellungen ein wenig trist und eigenartig.

Wir sahen uns die Standart Sehenswürdigkeiten an (Dom, Parlament und so Sachen) und liefen durch den Hallen – Markt. Das Essen ist wirklich lecker und wir gönnten uns ein bisschen Lachs und so einen anderen Fisch zum Mittagessen.

Helsinki ist eine coole Stadt aber wie alle anderen Städte in Skandinavien auch richtig teuer, deshalb vermeiden wir es in Cafe’s oder Restaurants zu gehen – das heben wir uns für die Länder mit normalen Preisen auf.

Immer wieder legen rießige Schiffe von Aida und Co. an
Süß- und Meerwasser Pool direkt im Zentrum.
Dom in Helsinki.
Eine von vielen schönen Kirchen auf dieser Welt.
Möwen sind die Tauben von Helsinki – nur am betteln.

In Helsinki endet unsere Reise durch Skandinavien und unser Fazit nach 7 Wochen ist:

Norwegen absoluter Favorit zum Wandern, Grillen, Entdecken und Fotografieren. Finnland ist aber meine große Liebe, geheimnisvoll und voller Überraschungen.

Malai

Sensationelle unberührte, echte Natur.
Der „place to be“ für Camper und Outdoorfreunde.
Ich habe einen Fisch aus dem Meer gezogen!

Simon

Gib mir Essen.

Maki

3 Antworten auf „home among the trees

  1. Doris ,Gratulation zu Deinem Alleingang im finnischen Wald.Vielen Danke für die Karte vom Kapp hat uns sehr gefreut. Weiter gute Reise.

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  2. Hallo Doris und Simon. Endlich wieder ein interessanter und spannender Bericht, vor allem von Deiner „Überlebenswanderung“. Also wir lesen Deine Blogeinträge mit Begeisterung! Wir warten schon neugierig auf den Nächsten! Liebe Grüße von Mama und mir!

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  3. Hallo ihr Zwei, ich lese euren Blog mit Interesse und freue mich für euch, dass ihr so viel Schönes erlebt. Danke fürs Teilen und weiterhin viel Glück auf eurer Europareise.
    Liebe Grüße, Birgit

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