do you have „sauerkraut“?

In Litauen haben wir Moritz kennengelernt. Unerwartet schnell entwickelte sich eine einmalige Freundschaft und wir beschlossen unausgesprochen eine Weile gemeinsam zu Reisen. Unsere Routen überschnitten sich zufällig und so brachen wir auf Richtung Warschau. Wir begannen langsamer zu Reisen, weniger Kilometer zu fahren, länger zu schlafen und die Abende mehr zu genießen. Moritz hat so eine coole, gechillte Lebenseinstellung – total ansteckend und wahrscheinlich genau das was wir gerade brauchten. Die letzten 10.000 Kilometer durch Skandinavien waren aufregend und wunderschön, aber auch anstrengend.

Moritz mit seinem VW-Bus auf der Autobahn unterwegs Richtung Warschau.

Auf dem Weg nach Warschau suchten wir uns im Internet ein paar „Lost Places“ raus.

Lost Places – verlassene Gebäude die vom Besucher selbst erkundet werden können.

Polen scheint ein Paradies für vergessene Gebäude zu sein. Die Internetrecherche war zwar schwieriger als erwartet (in der „Szene“ gibt man solche Gebäude nicht gern bekannt – Angst vor Vandalismus) aber wir fanden ein paar Ziele.

Es waren keine High-End verlassenen Schlösser, Krankenhäuser oder Militärabsteigen, aber es machte total Spaß durch die Ruinen zu marschieren und hinter jeder Ecke eine Leiche zu vermuten. Die Gebäude waren mit ‚Zutritt verboten‘ – Schildern ausgestattet damit die Besitzer im Versicherungskrieg sofort aussteigen können, falls doch ein Gebäude über unseren Köpfen zusammenbrechen würde.

Am Abend wurde dann die erfolgreiche Mission mit Burger und Bier gefeiert.

Unterwegs in Polen hatten wir wieder Probleme mit dem Kühlschrank: Simon says….

Weshalb wir gezwungen waren kurz vor Warschau eine Nacht auf einem Campingplatz zu verweilen, da wir einen Stromanschluss brauchten. Campingplatz Tage werden immer genutzt um Wäsche zu waschen, Netflix Folgen zu downloaden und natürlich alle elektrischen Geräte ordentlich aufzuladen. Simon reparierte währendessen unseren Kühlschrank. Diesmal endgültig!

Zum Abendessen kochten die Jungs auf.

Am Abend gings mit dem Taxi in die Innenstadt und wir liefen ein bisschen rum bis wir nach 200m eine passende Bar fanden. In Warschau waren auffällig viele Polizisten unterwegs, was uns Anfangs gar nicht merkwürdig vorkam, wir waren ja schließlich in Polen. Ein wenig später erfuhren wir dann das in Polen vor 80 Jahren der Überfall von Hitler stattfand der den Zweiten Weltkrieg auslöste. 6 Jahre Krieg, fast 60 Millionen Tote, ein zerstörtes Europa – eines der dunkelsten Kapitel in der menschlichen Geschichte. Aus diesem Grund kamen aus über 30 Ländern hohe politische Tiere zu einer Gedenkfeier in Warschau.

Wir entschieden uns am nächsten Tag trotzdem mit den Autos in die Innenstadt auf einen Parkplatz zu fahren, da wir noch die Altstadt erkunden wollten.

Und noch ein Städtetrip
Happy in Warschau
Happy in Moskau

Fürs Abendessen suchten wir uns ein schickes Restaurant und gönnten uns richtig gutes Wildschwein. Danach liefen wir noch ein bisschen durch die Stadt und lauschten den Polizeisirenen.

Wunderschön Beleuchtet bei Nacht.

Am nächsten Tag wollten wir dann weiter Richtung Deutschland, Moritz musste auf die Hochzeit seines besten Freundes und wir wollten noch gemeinsam eine Wanderung in der Sächsischen Schweiz unternehmen. In Warschau war die Hölle los, alle Zehn Minuten flog ein Hubschrauber über unsere Köpfe und ich habe in den drei Tagen Warschau mehr Polizisten als Touristen gesehen! Wir mussten durch die Innenstadt durchfahren um auf die richtige Autobahn zu kommen, was sich als blöder Fehler herausstellte. Vor uns wurde die gesamte Straße gesperrt, wir drehten um und versuchten einen Weg aus dem Warschau Labyrinth zu finden, fuhren zur nächsten Kreuzung und wieder dasselbe Problem: Polizisten überall und abgesperrte Straßen. Wir beschlossen brav zu warten, wie lange kann so eine Absperrung mitten in einer Millionenstadt schon gehen, die Leute müssen ja schließlich zur Arbeit und so.

Polizeiautos versperrten die Straßen. Den Sirenensound müsst ihr euch dazudenken.

Eine verzweifelte Frau lief dann zu den Polizisten und anhand ihrer Gestik und den mehrmaligen Zeig auf ihre Armbanduhr vermuteten wir das sie einen dringenden Termin hatte. Sie diskutierte sehr lange und als sie zurückkam teilte sie uns mit das die Straßen noch zwei Stunden gesperrt sind. Wir waren zu diesem Zeitpunkt schon zwei Stunden „gefangen in Warschau“ und drehten deshalb um, in der Hoffung irgendwo ein Schlupfloch zu finden. Es gelang uns dann tatsächlich einen Weg rauszufinden, aber mit deutlicher Verspätung hatten wir noch einige Stunden Autofahrt vor uns bis zu unserem nächsten Etappenziel.

Good Bye Warschau – super Sach, grad au für junge Leudd!

Es waren einige Kilometer die wir noch zurücklegen mussten, vor der Grenze haben wir noch eingekauft und getankt.

Sonnenuntergangsfahrt.

In Deutschland angekommen fanden wir einen guten Platz am Ende einer Straße, packten unsere Rucksäcke und los gings zur Bastei Brücke. Ich habe uns eine kleine einfache Route rausgesucht, zuerst gings durch ein bisschen Wald an einen kleinen See, von dort aus konnten schon die ersten Sandsteingebirgsformationen entdeckt werden:

Die Lokomotive im Nationalpark Sächsische Schweiz

Weiter gings dann einige Stufen rauf bis zur ersten Anhöhe mit tollen Ausblick auf den kurvigen Abschnitt der Elbe.

Durch die rießen Steine hindurch bis…
… zur Aussichtsplattform

An jedem Abgrund waren Absperrungen damit niemand hinunterfallen konnte, eine Bedienung erzählte uns das trotzdem immer wieder Leute aus Dummheit die Absperrungen ignorieren, bis an den Rand stehen um ein Foto zu machen und dann runterfallen. Da ich selbst auch schon eher fragwürdige Selfies gemacht habe, hab ich mich natürlich gar nicht angesprochen gefühlt. Die Bastei Brücke konnte bequem von der Straße aus angefahren werden, weshalb uns einige Menschen entgegen kamen. Noch schnell ein paar Fotos gemacht und weiter gings durch einen weniger besuchten Waldabschnitt.

Auf der Brücke
1,5 Millionen Besucher pro Jahr – wir waren dabei!
Aussicht von der Brücke aus

Am Abend hieß es dann zum letzten mal gemeinsam Abendessen und am nächsten Tag mussten wir uns schweren Herzens von Moritz verabschieden:

tschau mit au

Für uns gings nach Tschechien auf die andere Seite des Nationalparks – der Böhmischen Schweiz (keine Ahnung warum das Schweiz heißt, habs auch nicht gegoogelt). Nach Helsinki, Tallin, Riga, Vilnius und Warschau war ich so froh endlich wieder in der Natur zu sein! Städtetrips sind toll, aber nach der 100ten Kirche und 30ten bedeutenden Statue reicht es dann auch wieder. Hauptstartpunkt unserer Wanderung war Hrensko bzw ein kleiner Ort nebenan. Der erste Teil verlief einen Bach entlang mit zwei Abschnitten (Wilde Klamm und Stille Klamm) die jeweils nur mit einem Boot durchquert werden können.

So wunderschön!!!
Tschechien zeigt sich von seiner besten Seite, Simon auch.
Ein Häuschen im Wald.
Maki durfte auch mit aufs Boot

Es waren, wie auch auf der Deutschen Seite, einige Touristen unterwegs aber deutlich weniger als vorher. Die Hauptsaison ist vorbei und uns freut das am meisten.

Der zweite Abschnitt der Wanderung führte uns dann ein wenig Bergauf, durch Wälder hindurch zur größten natürlichen Sandstein-Felsbrücke Europas, dem Prebischtor.

Das Prebischtor von unten.

Wir liefen bis zum Tor rauf da es von oben einen Aussichtspunkt gibt, standen dann vor einer Schranke bei der 3€ pro Person Eintritt verlangt wurde damit man zum Aussichtspunkt gelangen konnte. Ich war so empört das Eintritt verlangt wurde, das wir umdrehten und auf die Aussicht verzichteten weils einfach eine Frechheit ist! Wir verlangen schließlich auch keinen Eintritt kurz vor dem Berggipfel! Verkaufen ihr Bier für 50 Cent den Liter aber wollen 3 Euro das man vom Berg runterschauen kann. TZ!

weiter gehts durch schöne Wälder
Tolles Bild aber trauriger Hintergrund – der Borkenkäfer macht auch in der Sächsischen Schweiz nicht halt was zur großflächigen Abholzung führt.
Outdoor Mittagessen
Für Herbst noch ein bisschen zu früh – alles tote Bäume im Nationalpark

Nach fünf Stunden Wandern und 20 Kilometern sind wir dann zurück beim Wohnmobil angekommen. Wir hatten eine Nacht auf einem Campingplatz geparkt da die Parkplatzpreise fast so teuer sind wie die Campingpreise und so hatten wir noch eine tolle Dusche nach der Wanderung. Am nächsten Morgen gings zu einer Werkstatt in Deutschland da unser Bill demnächst einen Ölwechsel braucht den wir noch in Deutschland machen wollen, bevor es für uns weiter (wir wissen noch nicht genau wohin) geht. Weshalb wir jetzt „gezwungen“ sind ein Wochenende mitten im Nirgendwo in Deutschland zu verbringen da wir auf den Werkstatttermin warten. Nach den zwei Wanderungen eine willkommende Erholungspause.

Wir pausieren unter den Windrädern.
Und verabschieden uns, bis zum nächsten Beitrag!

2 Antworten auf „do you have „sauerkraut“?

  1. Hallo Doris und Simon. Wieder ein interessanter Beitrag und schöne Fotos!
    Mama und ich wünschen Euch ein angenehmes (Zwangs)Wochenende irgendwo in Sachsen!

    Liken

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