txuleta, percebes and pulpo

Den Übergang von Frankreich nach Spanien stellten wir uns in etwa so vor wie von Estland nach Lettland – kaum merkbar. Die Strände in Spanien waren mindestens genauso schön und einsam wie in Frankreich, die Küstenabschnitte ebenso. Was aber komplett anders war, das war die Vegetation! Zu meiner Freude wird der Norden Spaniens auch La Espana Verde – das grüne Spanien genannt. Auf Grund seines Klimas ist der norden Spaniens in den Regionen Galicien, Asturien, Kantabrien und im Baskenland besonders mild. Weshalb es an der 2000km langen Küste entlang des Atlantik reichhaltige Grünflächen gibt. Hier warteten wunderschöne Landschaften mit saftig-grünen Hügeln, über 2.000 Meter hohe Berge, Steilküsten und kilometerlange Strände nur darauf von uns erkundet zu werden. Da mein Bruder diese Regionen schon sehr oft bereist hat (Nordspanien ist auch ein Paradies für Surfer) hatten wir bereits unsere erste Anlaufstelle um mal wieder schick Essen zu gehen. Das Restaurant Izeta Sagardotegia befindet sich auf einer Anhöhe mit Blick auf die Gemeinde Zarautz die direkt am Strand liegt. Wir tranken unseren ersten Sidre und aßen gemeinsam ein halbes Kilo T-Bone Steak, auch Txuleta genannt. Es schmeckte Hervorragend und war das „Ich Esse nie wieder soviel – Gefühl“ danach alle mal wert.

Txuleta!

Das Highlight im Baskenland war unser Besuch in San Juan de Gaztelugatxe. Diese 270 Meter lange Insel liegt im Golf von Biskaya und beherbergt das ehemalige Kloster, das nur über eine in Fels gehauene Treppe erreicht werden kann. Wir parkten in einiger Entfernung von der Insel da es für Wohnmobile schwer war einen Parkplatz direkt vor Ort zu finden. Was für uns aber gar kein Problem war, wir machten aus dem Besuch direkt eine kleine Wanderung. Leider gab es einen Erdrutsch auf unserer ersten Wanderroute und wir mussten schlussendlich alles wieder zurück laufen und der Straße (die aber gesperrt war) entlang gehen bis wir unten an den Treppen zum Kloster ankamen.

237 Stufen vor uns.

Wir hatten an dem Tag wunderschönen Sonnenschein, wussten aber das am späten Nachmittag definitiv Regen angesagt war. Durch unseren Umweg waren wir ein bisschen spät dran, hatten aber Glück und wurden nicht nass. Die Kirche auf der Insel hat einen Glockenturm an dem ein langes Seil befestigt ist, wenn man sich etwas wünscht und drei mal die Glocke läutet, so geht der Wunsch angeblich in Erfüllung.

Zwei Wünsche warten darauf in Erfüllung zu gehen.
Ausblick auf die Stufen von oben.

Dann gings nach La Ojerada und Regenwetter wurde von nun an unser ständiger Begleiter in Nordspanien (einer der Gründe weshalb es immer so schön Grün ist). Wir gewöhnten uns daran mit jeder x-beliebigen Wetterlage innerhalb von Minuten konfrontiert zu werden. Von strahlend blauem Himmel und Sonnenschein zu strömendem Regen und Weltuntergang war schon alles dabei. Der Küstenabschnitt La Ojerada hatte einiges zu bieten: Schafe die gemütlich kurz vor dem Abgrund die wenigen Grashalme fraßen, Höhlen die beim Ebbe erkundet werden konnten und wenn man Glück hatte auch Percebes die sich zwischen den Felsspalten versteckten.

Eine der vielen Höhlen – in echt siehts viel besser aus!
Wenn die Wellen schneller sind als man selbst.

Nach zwei entspannenden Tagen machten wir uns auf nach Asturien zum Nationalpark Picos de Europa. Nur 15 Kilometer von der Küste entfernt war es einen Katzensprung und bei gutem Wetter war es sogar möglich von dem Bergen bis zum Meer zu sehen. Da es wieder regnete entschieden wir uns nochmal einen Tag zu warten (ich wollte unbedingt in diesen Nationalpark wandern und nicht weiterfahren) und darauf zu hoffen das die Wetter Apps mal versprachen was sie hielten. Wir parkten in einem kleinen Dorf und verbrachten die Zeit damit Maronis zu sammeln und Simon zauberte sogar eine Maroni Creme Suppe herbei:

Stimmung im Nationalpark
Das kleine Dorf Bulnes

Am nächsten Tag stellten wir uns den Wecker ganz früh damit wir die Sonnenzeit nutzen konnten und spazierten von Puenta La Jaya nach Bulnes. Diese kleine Wanderung führt 4km durch die wunderschöne Berglandschaft und nicht mal 500 Höhenmeter mussten überwunden werden. Das kleine Dorf mitten in den Bergen hat nur 42 Einwohner und erst seit dem Jahre 2001 gibt es eine Zahnradbad mit der Menschen und Güter befördert werden können.

Bulnes ist im Sommer ein gut besuchtes Dorf, die Menschen leben hier von ihrer Landwirtschaft aber mittlerweile wahrscheinlich mehr vom Tourismus. Ein Glück das wir die Möglichkeit hatten in der Nebensaison die Schönheit hier in Ruhe genießen zu können! Wir haben alle Tierarten angetroffen, von Pferden über Kühe bis Ziegen sowie Hunden und Katzen lebt alles in dem Tal zwischen den Bergen. Ein Schaf war von Maki sehr angetan und verfolgte uns ein gutes Stück (vielleicht wurde Maki als Baby Schaf verwechselt?) Unterwegs trafen wir noch einen älteren Spanier der in der Nachbargemeinde aufgewachsen war aber sehr gut Deutsch konnte weil er seit seinem 18. Lebensjahr in Düsseldorf wohnt, sein Bruder wohnt aber noch hier.

Auf dem Rückweg.

Wir schafften es noch pünktlich ins Wohnmobil zurück bevor der Regen wie vorhergesagt am späten Nachmittag eintraf. Zur Belohnung gabs dann einen Campingplatz mit warmen Duschen und Käsefondue.

Am nächsten Tag fuhren wir eine lange Passstraße etlang die von Covadonga aus rauf (im Sommer nicht möglich!) zu den zwei Bergseen Lago de Enol und Lago de la Ercina führt. Hier machten wir eine schöne Rundwanderung.

2,5h Easy Nummer
Wer findet unseren Bill und wie siehts hier wohl im Sommer aus?
Der Blick bis zum Meer blieb uns verwehrt.
Dafür gabs schon tolle Aussichten auf Schnee!

Die Runde um die beiden Bergseen war kurz und knackig, trotz Nebensaison fuhren einige Busse herauf und luden viele Touristen direkt an den Seen ab. Im Sommer ist die Passtraße für private Autos und Camper gesperrt, da gibt es nur die Möglichkeit mit Shuttlebussen raufzufahren. Wir trafen wieder alle möglichen Weidetiere und wurden von einem Herdenhund ganz brav von den Schafen weggebellt.

Lago de Enol
Der Herbst kommt Spät aber doch auch in Spanien an.

Wir überlegten kurz auf dem Berg zu übernachten, da die Temperaturen aber eher Camperunfreundlich waren entschieden wir uns direkt weiter nach Gijon zu fahren. Dort habe ich meinen Shopping Entzug etwas entgegenwirken können und tobte mich einen Tag lang in einem großen Einkaufscenter aus. Somit ließen wir dann Asturien hinter uns und kamen nach Galicien. Am As Catedrais Beach schlugen wir unser neues Nachtlager auf:

Das besondere an diesem Strand waren ähnlich wie in Etretat die Felsformationen entlang der Küste. Allerdings können die Höhlen und Felsbögen nur bei Ebbe erreicht werden. Als wir am Strand ankamen war es Flut und wir warteten auf den Sonnenuntergang bis das Meer sich zurückzog:

In einer der vielen Höhlen wollte ich bis ans Ende laufen und hüpfte an Simon vorbei direkt in eine große Wasserlacke (die ich nicht sehen konnte weil es so dunkel war!) und vor lauter Schreck sprang ich gegen die Felswand und mein Objektiv zog sich seine erste Reiseverletzung zu!! OH NEIN DAS IST FURCHTBAR!!!

Da ich schon einen nassen Schuh hatte war es kein Problem den Stein zu erreichen.

Dieser Ort ist in Galicien sehr berühmt, bekannt und gut besucht. Früher waren bis zu 10.000 Touristen täglich am Strand weshalb die Regierung entschied im Sommer nur über eine Onlineregistrierung die Leute „reinzulassen“. Die Besucher werden so auf 5.000 Personen täglich reduziert damit die Natur keine großen Schäden davonträgt. Und weil wir sowieso hier übernachteten besuchten wir den Strand auch am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang.

Sonnenuntergang

Maki noch ganz müde am Morgen

Unser nächstes Ziel war A Coruna eine Hafenstadt ganz im Nordwesten von Spanien. Wir fanden einen tollen Stellplatz direkt am Meer mit Ausblick auf die ganze Stadt. Wir besuchten den Herkulesturm, der älteste (Baujahr ca. 110 n.Ch.) noch intakte Leuchtturm der Welt! Montags kann er gratis besucht werden (sonst 3€ p.P.) und von oben hat man ein tolles Panorama.

A Coruna bei Nacht

An unserem ersten Abend gings in das Restaurant Pulpeira O Fiuza um traditionelles Pulpo zu essen. Pulpo zählt in Galicien zu den am häufigsten servierten Tapas und ist ein Oktopuss. Dazu gabs Piementos in Salz und fertig war das Abendessen.

Herkulesturm
Morgens
und Abends

In A Coruna haben wir dann Percebes gesichtet! Percebes sind Entenmuscheln die aber zu den Krebsen gehören und zu den Delikatessen in Galicien zählen. Sie sehen total eklig aus, wie kleine Alienfüße und sind nur sehr schwer zu finden und „ernten“. Am liebsten hängen sie an Felsen ab wo die Wellen mit voller Wucht aufprallen. Deshalb ist der Beruf der Fischer – Percebeiros genannt – einer der gefährlichsten der Welt. Wir haben natürlich gewartet bis die Ebbe eintrat um dann mitten in der Nacht ein bisschen wildern zu gehen. Besonders gute Entenmuscheln werden kurz vor Weihnachten für bis zu 200€ pro Kilo verkauft!

Percebes an den Felsen
Percebeiros

Gegessen wird der Stiel der Entenmuscheln nachdem sie nur ganz kurz in Meerwasser gekocht werden. Um ganz ehrlich zu sein, das Abenteuer Percebes sammeln in kompletter Dunkelheit und das Gefühl etwas illegales und gefährliches zu Machen war besser, als sie dann schlussendlich zu essen.

Nächster Halt war dann das Ende der Welt in Cabo Fisterra. Wir verbrachten 24 Stunden im Nebel eingehüllt und hofften auf bessere Sicht. Die Nacht war äußert stürmig und der nächste Tag gleich neblig. Deshalb fuhren wir nach einem kurzen Besuch beim Leuchtturm weiter nach Santiago de Compostela. Dort trafen wir jede Menge Pilger und konnten in der Nähe der Universität gut eine Nacht übernachten. Wir besuchten die berühmte Kirche im Zentrum der Stadt und nach Kaffee und Kuchen gings weiter nach Ourense.

Sicht in Fisterra

In Ourense treten drei heiße Quellen direkt am Flussufer des Minos auf und wir statteten einer der vielen Thermalquellen einen Besuch ab. Es gab 4 kleine Becken die mit unterschiedlich heißem Wasser gefüllt sind. Das erste war so verdammt heiß das nur ganz selten jemand kurz reinhüpfte. Außerdem gab es die Möglichkeit direkt in den kalten Fluß baden zu gehen. Letzteres ließen wir aber aus. Leider durften keine Fotos gemacht werden aber ungefähr so sah es aus:

Quelle: Kasteninblau.de

Nach einem feinen Bad und Burger zum Abendessen gings hochmotiviert weiter nach Portugal, das letzte Land auf unserer Liste. Mehr davon beim nächsten mal! Jetzt starten wir in Simons Geburtstagswochenende mit einer tollen Überraschung 😀 PSSST

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